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Liebe Besucher,

seit ich mich aus dem berufllichen und politischen Leben zurückgezogen habe,  bin ich nicht mehr so leicht erreichbar wie früher. Aus diesem Grunde habe ich diese Website eingerichtet mit zwei Zielen:

1. Unsere privaten Freunde sollen wissen, wo wir sind und was abgeht. Dazu gibt es das Fach "Neuigkeiten".

2. Meine früheren Mitstreiter aus meinen unterschiedlichen Arbeitsbereichen sollen nach wie vor die Möglichkeit haben, auf das Archiv meiner Ausarbeitungen zurückzugreifen, ohne dass ich in Zukunft selbst aktiv werden muss. Dass es komplizierter ist, auf den Seiten genau das zu finden, was man sucht, ist durchaus beabsichtigt, weil Zufallssurfer so abgeschreckt werden. Aber Interessierte, die wissen, was sie suchen, die finden es auch.

 

Wer interne Nachrichten auf "Klausur" ansehen möchte, müsste sich per eMail bei mir ein Passwort abholen.


 

Hier also die Neuigkeiten:

 

Bath macht seinem Namen alle Ehre: Es regnet den ganzen Tag. So viel Regen hatten wir noch nirgendwo. Auch bei Regen ist die Stadt prächtig. Salka besichtigt das alte römische Bad, während ich unter meinem Regenschirm auf einer Bank sitzend das geschäftige Treiben der vielen Touristenführer mit ihren Herden beobachte. Mir ist der Eintritt zu teuer, schließlich habe ich den schon vor zwanzig Jahren bezahlt. Und damals inklusive Sonne! Aber manches in der Stadt ist auch neu, das sieht man gar nicht so, denn die gesamte Altstadt ist UNESCO gelistet und darf im Aussehen nicht verändert werden. Wenn man aber durch alte Toreingänge in den Hinterhof geht, werden die Geschäfte und Restaurants immer moderner, reihen sich labyrinthartig neben- und übereinander mit Treppen und Fahrstühlen verbunden, bis man dann am Ende durch einen anderen Torbogen auf eine Straße kommt, die wieder ehrwürdig aussieht wie Anno dazumal.

Ja, hier im Norden von Devon herbstelt es mehr. Das sieht man nicht so sehr an den Straßenwänden, weil die gerade frisch rasiert sind, aber die Bäume, die sich höher über uns neigen, haben bunte Blätter, und Laub liegt allenthalben rum, denn – so ordentlich und aufgeräumt auch alles in England ist – um gefallenes Laub kümmert sich niemand. Es bleibt liegen und glitscht vor sich hin. Aber eine der großen Heckenschneidemaschinen haben wir im Vorbeifahren gesehen. Die schneidet ja nicht nur, wie deutsche Kleingärtner es zu machen pflegen, sondern geben der Straßenbegrenzung ein festes Muster: an der Seite senkrecht, aber ab etwa zwei Meter Höhe mit einem Absatz, der oberhalb ca. 20 cm weniger Straßenraum lässt, und oben ab der Höhe, die zweistöckige Busse nun mal haben, waagerecht über die ganze Straßenbreite. Wir haben nur eine Maschine gesehen, aber es muss viele davon geben.

St. Ives ist voller Menschen, als wäre gerade Hochsaison. Die Tate-Galerie öffnet an diesem Wochenende nach längerem Umbau wieder ihre Tore, und zwar für die ersten zwei Tage umsonst. Das ist ein Fest, auf dem auch abendliches Feuerwerk nicht fehlen darf. Dazu kommt, dass die Wellen hoch sind und Unmengen von Surfern anzieht, und natürlich das angenehm warme Wetter in der „schönsten Bucht der Welt“, wie auf Schildern zu lesen steht. Auch wenn mir persönlich die Algarve schöner erscheint, muss ich doch zugeben, dass die schwarzen Felsen und die hellen Sandstrände dazwischen schon ein feines Bild abgeben. Der Salz-und-Pfeffer-Sand ist nicht sehr fein und besteht aus goldgelben und weißen Körnern mit schwarzen Einsprengseln darin. Auch die Stadt ist schön, wenn auch schrecklig steil. Und die Galerie direkt am Strand? Ja doch, die hat was. Aus vielen Fenstern oder Balkonen kann man auf Stadt und Strand blicken. Aber die ausgestellten Kunstwerke, die könnte man ebenso gut in einem Kellerraum verwahren. Dann hätte man auch mehr Platz für die Besucher.

In Totnes fühlt Salka sich zu Hause und stellt Überlegungen an, ob sie nicht hier bleiben sollte. Das liegt nicht nur an dem hübschen Ort mit den vielen individuellen Lädchen, die weit entfernt von den sonst üblichen Kettenläden Besonderes bieten. Nein, sie erfreut sich auch an den liebenswerten Exzentrikerinnen, denen Mode so völlig egal ist und die trotzdem auch äußerlich einen feinen Eindruck machen. Ja, überhaupt legen Engländerinnen Wert auf ihre Weiblichkeit, auch dann noch, wenn sie schon etwas älter sind. In Deutschland ist es ja üblich, dass Frauen ab einem gewissen Alter ihre tertiären Geschlechtsmerkmale rigoros ablegen – oben der praktische Raspelschnitt, unten lange Hosen. Man erkennt sie dann eigentlich nur noch an der Handtasche. Aber in England fallen uns viele auch ältere Damen auf, die Frisuren und Röcke tragen, ähnlich wie in Frankreich oder Italien. In einem Punkt übertreiben sie aber: Manche Engländerinnen geben sich Mühe, auch mit möglichst hoher Stimmlage auf ihre Weiblichkeit hinzuweisen. Das kennen wir aus Lateineuropa nicht so, schon gar nicht etwa aus Spanien!

Wir fahren mit der Dampf-Eisenbahn nach Dartmouth und sehen dem Dart zu, wie er im Meer verschwindet. Vor ein paar Tagen waren wir im Dartmoor, und zwar bei Nieselregen und Nebel, was die Gruseligkeit dieser über tausend Meter hohen Landschaft erst richtig zur Geltung kommen lässt. Ähnlich wie die Lüneburger Heide ist sie zwar durchaus reizvoll, aber eher eintönig. Und kalt. Als wir in Dartmeet, wo sich die beiden Quellflüsse des Dart treffen, morgens aufwachten, war es bitterkalt, aber das Herbstlauf erstrahlte im Sonnenlicht. Bei schönem Wetter besuchten wir dann auch eines der vielen Tors, aus dem Untergrund aufragenden Granitspitzen, aber dann zog es uns unweigerlich wieder an die warme Küste. Dort bildet der Dart wie alle Flüsse in Südengland einen Estuary, also einen tiefen, der Tiede unterworfenen Einschnitt ins Hinterland. Auf diesem fahren wir also nun in diesen verwinkelten Fjord hinein, und oft können wir voraus überhaupt nicht mehr erkennen, wo es denn nun weiter gehen könnte. Zum Glück weiß es der Kapitän, der mit vielen Kurven allen Untiefen erfolgreich ausweicht, so dass wir nichts weiter tun müssen, als Landschaft und Wasservögel zu bewundern.

The English Riviera“, welch ein Vergleich! Gut, es gibt Strände von bescheidener Größe, und roter Sand ist schon mal 1 Besonderes. Aber an die Läden und das Publikum muss man sich erst einmal gewöhnen. Die Pier ist von vorn bis hinten mit Spielautomaten und anderer Deppenbespaßung belegt, schrill bunt und laut. Ähnlich sind die Ladenzeilen vorm Erdgeschoss der ansonsten hübschen Häuser. In Torquay steht ein großer, einstmals gewiss herrlicher Pavillon, aus dessen Dach nun Gras wächst. Die Läden überbieten sich vor allem mit niedrigen Preisen. Menschen, denen man eine Migration ansieht, gibt es so gut wie keine, im Übrigen dürfte der soziale Status der Besucher in etwa Billstedtern entspechen – abgesehen von den vielen Greisen, die hier ihren Lebensabend verbringen. Aber die Menschen sind allesamt sehr nett, wie wir es von Engländern nun schon gewöhnt sind, und es gibt auch hier weder Lärm noch Verschmutzungen. In Paignton, in dem wir wohnen, kommt trotz des gewagten Vergleiches eine besondere Art Riviera-Stimmung auf. Das liegt nur zum Teil an dem Dartmoor-Gebirge, in dessen Windschatten wir das herrliche Wetter haben, zwar nicht mehr ganz so warm wie bisher, aber noch immer jeden Tag Sonnenschein. Aber es liegt auch an der freundlichen Gelassenheit all der Menschen, an den Palmen und den vielen bunten Blumen allerorten, an den Linienbussen, die hier generell kein Dach im Obergeschoss haben, an den sensationell niedrigen Preisen. Man macht hier einfach richtigen Urlaub.

Mit Lesley und Warwick treffe ich mich alle zehn Jahre, immer recht spontan, weil sie oder wir sowieso in der Gegend sind. Vor zwanzig Jahren kamen wir bei ihnen vorbei, und Lesley zeigte uns das Dartmoor. Vor zehn Jahren kamen sie zu uns, und Warwick spielte bei unserem Sommerfeuer zur Freude aller auf seiner grünen Violine auf. Und in diesem Jahr kommen wir auf unserer Englandreise wieder bei ihnen vorbei. Eigentlich ist der Zeitpunkt denkbar ungünstig, denn die beiden feiern gerade ein gewaltiges Familienfest mit hundert Gästen, die teilweise sogar aus dem Ausland angereist sind, und die keineswegs alle sofort wieder abreisen. Andererseits ist es aber auch ein glücklicher Zufall, ähnlich wie damals unser Sommerfeuer, denn am Tag nach dem Fest treffen sich die Gastgeber mit den meisten der Gäste noch einmal zwanglos im Pub, um Musik zu machen, und wir sind dabei. Es wird eine fröhliche Runde, die uns lebhaft an Nerja und die Abende im Pub erinnert, als wir mit Engländern und Iren musiziert haben, nur diesmal stimmen nicht alle zusammen in das wiederkehrende Didellideldidellideldidelda ein, sondern Einzelne tragen zu unserer Freude vielstrophige Lieder vor, die von dem einen oder anderen noch begleitet werden. Dazu passt natürlich auch Jan Hinnerk, den alle höchst vergnügt begrüßen.

Öffentliche Sitzbänke gibt es sehr reichlich im Süden Englands, und fast alle sind privat gesponsert, wie kleine Messingschildchen zeigen. So etwas kennen wir ja auch in Deutschland, „gestiftet von der Stadtsparkasse Buxtehude“ oder von „Anton und Berta Chrysander“ oder so ähnlich. Seltsam fand ich allerdings, dass manchmal jemand Blumenvasen mit halbfrischen Blumen oder Plastiksträuße an die Bänke gebunden hat. Als ich dann auf die Idee kam, mir die kleinen Schildchen tatsächlich durchzulesen, löste sich das Rätsel schnell: Nicht VON den genannten Personen wurden die Bänke gestiftet, sondern FÜR dieselben, denn die sind allesamt verstorben. Die große Menge von öffentlichen Sitzbänken sind jede eine Art Grabstein, eine Erinnerung, ein Mahnmal, gestiftet von den Hinterbliebenen, die sie dann auch hin und wieder mit Blumen schmücken. Bei manchen ist vermerkt, dass die Asche ihrer Namensträger ins Meer gestreut wurde, und so bleibt dann möglicherweise nur die Bank als einziges Zeugnis eines Verstorbenen übrig.

Wir merken es nicht sofort, warum wir uns bei unserer Tour auf angenehme Weise in vergangene Zeiten zurück versetzt fühlen, aber nun wissen wir es: die Smartphones fehlen! Wir sind es ja gewöhnt, dass die Menschen pausenlos in ihr Smartphone starren, beim Sitzen, beim Stehen, ja sogar beim Gehen. Unsere Engländer haben solche Geräte auch, aber sie halten sie nur dann in der Hand, wenn sie telefonieren oder fotografieren. Und das ist ja relativ selten. Mag sein, dass sie die Unsitte der Smombies von Herzen ablehnen, kann aber auch sein, dass sie so gut wie nie Netz haben. Denn wir machen genau die Erfahrung, dass es verdammt schwer ist, ins Internet zu kommen. Selbst in Kroatien war das ganz wesentlich einfacher. Wenn man genauer hinschaut, merkt man nicht nur daran, dass technische Ausstattung und allgemeiner Konsum in England nicht so groß sind, wie es scheint. Es gibt eine Unmenge von Charity-Läden oder solchen, die „preloved“ Kleidung verkaufen, in jeder Stadt, die wir gesehen haben. Einkaufszentren gibt es viel seltener als in Italien. Und wenn es dunkel wird, fällt mir auf, dass es relativ wenige Autos gibt, die modernes Scheinwerferlicht ausstrahlen. Die meisten leuchten so wie wir. Wenn man wie ich generell ein Konsum-Kritiker ist, kann einem das sogar gefallen.

Unsere Engländer sind die besseren Schweizer. Sie haben zwar noch nicht einmal eine geschriebene Verfassung, aber ansonsten gibt es bis ins Kleinste ausgeführte schriftliche Verhaltensregeln in jeder Blickrichtung. Und das Erstaunliche ist: Groß und Klein hält sich auch daran! Möven und andere Vögel werden tatsächlich nirgendwo gefüttert. Man sammelt den Kot seines Köters sorgfältig ein und lässt auch keine Tüten liegen. Man nimmt seinen Müll wieder mit. Man hält sich genau an die Wegerichtung, die Parkregeln und alle angegebenen Uhrzeiten. Engländer mucken nicht auf. Stadt und Land sind daher angenehm sauber. Verwehter Müll ist extrem selten. Wir finden überall kostenlose und saubere öffentliche Toiletten, sogar am Bahnhof! Nur in einem pfeifen Engländer auf die Regeln: An Fußgänger-Ampeln gehen sie gern auch mal bei Rot. Und das ist verständlich, denn diese Ampeln sind dermaßen fußgänger-unfreundlich organisiert, dass es selbst Engländer juckt, gegen die Regeln zu mucken.

Ja, ungewohnt ist er schon, der Verkehr auf der falschen Seite. Wie bei meiner früheren großen Tour durch England ist es auch diesmal wieder: Wenn genügend Verkehr da ist – und das ist meistens der Fall, denn in unserem England-Teil sind Unmengen von Autos unterwegs – dann ist alles ganz einfach. Man richtet sich nach den anderen. Aber beim Einbiegen auf eine Straße, die völlig leer ist, kann es schon passieren, dass man sich „right“ wiederfindet, was hierzulande „wrong“ ist. Dann staune ich schon heftig, wenn mir plötzlich dann doch jemand entgegenkommt. Aber Bremsen haben wir ja alle, auch die Engländer (nur das Pedal dazu ist auf der anderen Seite). Und in England fährt man bei weitem nicht so schnell und stur wie in Deutschland. Andere Umstände, weniger der Linksverkehr, zehren an den Nerven. Ampeln für den Geradeaus-Verkehr stehen hin und wieder erst hinter der Kreuzung. Als Abbieger muss ich dann eine rote Ampel überfahren, was mich immer wieder zusammen zucken lässt, weil es ungewohnt und irritierend ist. Schlimmer noch sind die Straßen. Sie sind links und rechts – manchmal auch oben – von undurchsichtigen Hecken umgeben. Man fährt wie durch Tunnel, die oft so schmal sind, das man bei Gegenverkehr in eine Ausweichlücke zurück setzen muss. Was mich und Mumriks Bremsen aber wirklich am meisten nervt, sind die Berge. Wirklich ständig geht es rauf und runter, und immer so zwischen 10 und 20 Prozent, weniger wird nicht angezeigt. Auf Landstraßen durch die Alpen zu fahren, ist wesentlich bequemer.

Wo ist Salka? Im Bus hängen ihre Kleidungsstücke, aber sie ist nicht da. Bevor ich anfangen kann, mich aufzuregen, höre ich sie aber schon rufen – und zwar vom Wasser her! Salka ist zu meiner völligen Überraschung schwimmen gegangen. Ein paar Engländerinnen hätten sie dazu überredet, ruft sie mir zu. Und nun zieht sie mit ihnen unter den weißen Klippen von Dover hin und her über die Wellen. Das Meerwasser ist milchig von der vielen Kreide, aber das fühle sich angenehm an, sagt Salka. Ich will es ihr nicht nachmachen, auch bei dem sommerlichen Wetter heute, denn im Gegensatz zu Engländern habe ich durchaus ein Kälteempfinden. Ich genieße stattdessen den Anblick der beeindruckenden Felsen: sehr hoch, senkrecht abfallend und mit waagerechten Reihen von Feuersteinen gespickt leuchten sie in der Nachmittags-Sonne. Nur hier in dem winzigen Ort Saint Margaret's gibt es eine kurze Unterbrechung in der steilen Kante und einen kleinen Steinstrand, an dem wir wohnen und vor dem Salka nun schwimmt.